2. Licht

2.1 Lichtstil

Normalstil: bedeutet eine gleichmäßige Ausleuchtung des Raums, in der Regel um einen naturalistische Ästhetik zu erzeugen.

Low-Key-Stil: Für den Low-key-Stil ist eine schwache Ausleuchtung charakteristisch, bei der oftmals mit Schatten und starken Hell-Dunkel-Kontrasten gearbeitet wird. Licht und Schatten haben hier oftmals einen stark dramtisierenden Effekt. Der deutsche expressionistische Film, der Film noir und der Horrorfilm sind Genres, bei denen Low-key-Ausleuchtungen zum stilistischen Standard gehören.

Killer’s Kiss (USA 1955, Regie: Stanley Kubrick)

In dem Horrorfilm Sinister (USA/UK 2012, Regie: Scott Derrickson) wird die Standarsituation, in der eine Figur ein dunkles Haus durchstreift, in dem seltsame Geräusche zu hören sind, immer wieder durchgespielt. Der low-key-Stil gehört zu dieser Standardsituation weil die ZuschauerIn wie der Protagonist dem Entzug der visuellen Kontrolle ausgesetzt werden. Solche Szenen mit den unvermeidlichen Jump-Scares gibt es in unzähligen Horrorfilmen (Das Besondere an nebenstehender Szene ist der gleichzeitige Einsatz von Zeitlupe und Normalgeschwindigkeit bei der Bewegung der Figuren.)

High-Key-Stil: Beim High-Key-Stil prägt Helligkeit den Bildeindruck, wodurch meistens eine positive Grundstimmung erzeugt wird, aber auch eine sehr artifizielle Atmosphäre geschaffen werden kann. Komödien und Seifenopern sind Genres die sich oft einer High-Key-Ausleuchtung bedienen.
Diese Szene aus dem Drama Gertrud ist eine Erinnerungssequenz, die durch die extreme helle Ausleuchtung markiert ist und gleichzeitig die Stimmung der sich erinnernden Frau während der Beziehung zu einem Mann visualisiert. Einerseits scheint die Frau fröhlich zu sein, weil sie summend den Raum durchstreift, um aufzuräumen, auf der anderen Seite erzeugt die extrem helle Ausleuchtung mit den Fenstern als weißen Lichtquellen eine artifizielle Atmosphäre, die die Figur von der Außenwelt symbolisch abzuschirmen scheint. Eine ambivalente Bedeutung der Lichtsetzung liegt nahe, müsste aber durch zusätzlichen analytischen Aufwand des narrativen Kontextes der Szene fundiert werden.

Gertrud (Den. 1964, Regie: Carl Theodor Dreyer)

Das Standardbeispiel für High-key ist jedoch 2001: A Space Odyssey (UK/USA 1965-68, Regie: Stanley Kubrick). In der Schlussszene des Films befindet sich der Kosmonaut Bowman in einem Zimmer, in dem der Boden die Lichtquelle bildet und der Raum dadurch gleichmäßig ausgeleuchtet ist.

2001: A Space Odyssey (UK/USA 1965-68, Regie: Stanley Kubrick)

Fenster, durch die gleißendes Licht strömt und sie dadurch wie weiße Flächen erscheinen zu lassen, ist ein typisches Stilmittel in Kubricks Clockwork Orange (UK 1971, Regie: Stanley Kubrick). Anders als in Gertrud (Den. 1964, Regie: Carl Theodor Dreyer) ist die Szene jedoch nicht high-key ausgeleuchtet. Auch in The Shining (UK 1980, Regie: Stanley Kubrick) wird diese Lichtästhetik verwendet. Ob Kubrick von Dreyers Film inspiriert wurde, muss hier offen bleiben.

Clockwork Orange (UK 1971, Regie: Stanley Kubrick)

2.2 Qualität, Richtung, Quellen und Farbe

Diese Kategorien können helfen, die Lichtdramaturgie zu analysieren, indem sie als eine Art Raster genutzt werden, um Lichtführung zu beschreiben.

Die Einteilung lehnt sich an die von David Bordwell und Kristin Thompson beschriebenen Charakteristika an 1.

Qualität: Weiches (diffuses) und hartes (gerichtetes) Licht: Bei weichem Licht ist der Lichtaustrittswinkel größer und die Strahlungsintensität geringer. Konturen von Objekten oder Gesichtern werden schwächer, wohingegen hartes Licht durch Fokussierung entsteht und Oberflächenstrukturen deutlicher erkennbar werden lässt.
Richtung des Lichts: Back lighting, Top lighting, Sidelight, Frontal lighting, Under lighting
Quellen: Die Standardbeleuchtung besteht aus Key-Light, Fill-Light und Back-Light.
Farbe: In der Regel bewegt sich die Lichtgestaltung im Farbspektrum zwischen weiß und gelb.

 


Quellen:

  1. Bordwell, David/Thompson, Kristin (2008): Film Art. An Introduction. New York: Mc Graw-Hill Publishing Company. S. 124-131